Freiwillig am Rande der eigenen
Möglichkeiten
Ingolstadt (DK) Es war eine Mutprobe
gewesen. Nun steckt der Bub mit
seinem Kopf zwischen massiven
Gitterstäben fest. Was also tun?
Seine Freunde haben Die Feuerwehr
gerufen. Mit Blaulicht rauscht Florian Haunstadt 21/1 heran, und
die Einsatzkräfte springen heraus. Beobachtet von mehreren Augenpaaren machen sie sich an die Befreiung des Buben, der eigentlich gar keiner ist, sondern eine Holzpuppe. Es ist eine Übung und die Augen gehören den Schiedsrichtern, allesamt erfahrene Berufsfeuerwehrler oder Hochrangige FreiwilligeFreiwillig am Rande der eigenen Möglichkeiten.
Die Männer und die Frauen mit feuerfesten Anzügen und Helmen, die an diesem Samstagmittag auf dem
Bayernoil-Gelände aus den Autos springen, sind auch Ehrenamtliche, also Freiwillige. Mit dem Übungstag unter ralistischen Bedingungen werden die Freiwilligen-Kräfte nun zum Teil an ihre Grenzen geführt. Zumindest was die Organisation betrifft. Wie also lässt sich
ein Bub aus den massiven Gitterstäben befreien. Die Haunstädter greifen zu Äxten, um das Metall zu spreizen. Bald hat der Bub die missliche Lage hinter sich.
"Improvisieren ist die Kunst der Feuerwehr; mit den Mitteln arbeiten, die zur Verfügung stehen", sagt Feuerwehrchef Braun. Die sind bei den einzelnen
Einheiten höchst unterschiedlich, da nicht alle Fahrzeuge gleich ausgestattet sind. Das Auto der Haunstädter Wehr ist 30 Jahre
alt.
Der Bub im Metalltor bei Bayernoil ist nur ein Szenario, das an den drei Stationen gefragt ist. Auf dem Raffineriegelände müssen die heranrauschenden Helfer auch eine brennende Mülltonne löschen und sich dann um die Bewohner des Hauses kümmern. Da
verliert manch einer etwas den Überblick, ob die beiden Schaulustigen am Fenster tatsächlich gefährdet sind oder nicht. Jungfeuerwehrleute agieren als Statisten,
die aber nur ihre wichtigen Informationen preisgeben, sobald sie angesprochen werden. Neben der Raffinerie ist eine der drei
Stationen auf dem Übungsgelände der Pioniere an der Donau aufgebaut. Ein Kleinwagen hat sich dort um einen Baum gewickelt. Bei der Station beim Pumpwerk am
Franziskanerwasser etwa sind zwei Kameraden aus Ebenhausen im Untergeschoss vermisst. Dicke Rauchwolken steigen aus dem Haus. Etwas schmort. Die Minuten ticken herunter, ehe die Gerolfinger Wehr die beiden Männer ins Freie schleppt und versorgt. "Tut mir leid, wenn’s
beim Abziehen der Maske etwas heftiger war", entschuldigt sich einer der Helfer. Der Gerettete winkt ab. Es ist eben eine absolut reale Übung.
Quelle: Donaukurier vom 17.November 2008